Konsequenter Holzbau im Bestand ist keine Standardlösung, sondern ein Aushandlungsprozess. Unser aktuelles Projekt in Aachen beweist dies eindrucksvoll: Eine Aufstockung, die bauordnungsrechtlich eigentlich „nicht vorgesehen“ ist.
Die Herausforderung: Der Einsatz von Holz für Gebäudeabschluss- und Treppenraumwände stößt im Baurecht oft an Grenzen. Hinzu kommt ein Bestandsgebäude aus den 50er Jahren, das unter dem damals üblichen, sehr rationalen Materialeinsatz wiederaufgebaut wurde und kaum Tragreserven bot.
Die Realisierung gelang nur durch eine intensive Zusammenarbeit mit Tragwerksplanern, der Bauaufsicht, der Feuerwehr und der Industrie.
Die technischen Lösungen im Detail:
- Lastabtragung: Da die Bestandsdecke nicht ausreichend tragfähig war, spannt nun eine massive Brettsperrholzplatte (BSP) über den Bestand.
- Brandschutz-Innovation: Die Gebäudetrennwände wurden als „Brandwand-Ersatzwand“ in geprüfter Qualität ausgebildet. Sie werden durch die angrenzenden BSP-Decken und -Wände ausgesteift, ohne die Nachbarwand statisch zu belasten.
- Kapselung: Tragende Innenwände und Decken aus Brettsperrholz erhielten eine allseitige Bekleidung aus Gipsfaserplatten zur Brandabwehr.
- Rettungswege & Erhalt: Eine neue außenliegende Notspindeltreppe schafft den notwendigen zweiten Rettungsweg. Dies ermöglichte uns, die historische Durchfahrt mit ihren Stuckelementen und der Gewölbedecke im Erdgeschoss unberührt zu erhalten.
Abgerundet wird das Konzept durch eine effiziente Energiegewinnung mittels Photovoltaik und Wärmepumpe auf der neuen Dachfläche. Ein Projekt, das zeigt: Mit dem richtigen Team ist moderner Holzbau auch dort möglich, wo Paragrafen zunächst Grenzen setzen.


