High-Tech aus der Erde – Warum Lehmputz in der Sanierung unverzichtbar ist

Bei der Sanierung historischer Bausubstanz, insbesondere im Fachwerkbau, ist die Wahl des Putzsystems keine reine Frage der Ästhetik, sondern der Bauphysik. Das Bild zeigt einen entscheidenden Moment auf unserer aktuellen Baustelle: Den Auftrag des Lehmunterputzes auf das vorbereitete Mauerwerk.

Warum wir hier konsequent auf Lehm setzen? Weil er wie kein anderer Baustoff in der Lage ist, mit der vorhandenen Holzkonstruktion zu „arbeiten“.

Die bauphysikalischen Fakten:

  • Kapillare Leitfähigkeit: Lehm leitet Feuchtigkeit, die in die Konstruktion eindringt, schnell wieder an die Oberfläche. Das schützt das Holztragwerk langfristig vor Fäulnis – ein Vorteil, den zementhaltige Putze hier nicht bieten können.
  • Sorptionsfähigkeit: Ein Quadratmeter Lehmputz (bei 1,5 cm Stärke) kann bis zu 50 g Feuchtigkeit aufnehmen und reguliert so passiv die Raumluftfeuchte.
  • Reversibilität: Lehm bindet rein mechanisch. Er lässt sich jederzeit wieder anfeuchten und entfernen oder reparieren, ohne die historische Substanz zu beschädigen.

Im Bild gut zu erkennen ist die Einarbeitung des Armierungsgewebes. Dies ist essenziell, um Spannungen aus dem Untergrund (Mauerwerk/Holz) aufzufangen und Rissbildungen im Oberputz zu minimieren.

Sanieren im Bestand bedeutet, die Intelligenz alter Bauweisen zu verstehen und mit präzisem Handwerk neu zu interpretieren.

Fazit: Nachhaltigkeit ist im Bauwesen oft ein Buzzword. Bei Lehm ist es gelebte Realität – baubiologisch unbedenklich, regional verfügbar und vollständig recycelbar.

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